Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) — So hilfst du deinem Pferd wirklich

Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) — So hilfst du deinem Pferd wirklich

Das Equine Metabolische Syndrom ist eine Stoffwechselerkrankung des Pferdes, deren Bedeutung in den letzten Jahren stetig zugenommen hat.
Insbesondere sogenannte Robustrassen und andere leichtfuttrige Pferde- und Ponyrassen sind davon betroffen.

Erfahre in unserem Blogbeitrag, was hinter dem Syndrom steckt, wie man es diagnostiziert und wie du deinem Pferd helfen kannst.


Ursachen & Entstehung

Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) ist gekennzeichnet durch:
  • Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas)
  • eine Insulinresistenz (verminderte Reaktion der Zellen auf das Hormon)
  • ein hohes Hufrehe-Risiko

Speziell die Fettleibigkeit gilt als Charakteristikum des Equinen Metabolischen Syndroms. Besonders häufig sind leichtfuttrige Pferde- und Ponyrassen/ Robustrassen betroffen, da sie genetisch bedingt eine sehr gute Futterverwertung aufweisen und bei unzureichender Leistung/ Bewegung schnell an Gewicht zulegen.

Das Equine Metabolische Syndrom ist eine multifaktorielle Erkrankung, bei der mehrere Stoffwechselprozesse massiv beeinträchtigt sind. Wie jedoch die Krankheit genau entsteht, ist derzeit noch nicht vollständig geklärt. Es werden verschiedene Mechanismen diskutiert.


Fettleibigkeit (Adipositas)

Die Hauptursache ist eine überhöhte Energiezufuhr (z. B. durch zu viel Futter) bei gleichzeitig niedrigem Energieverbrauch (z. B. durch zu wenig Bewegung). Als Folge wird die überschüssige Energie (hier in Form von Glukose) in den Fettdepots als Energiereserve gespeichert.
Bleibt der Energieüberschuss dauerhaft bestehen, lagert der Körper so viel Fett ein, dass dies auch äußerlich sichtbar wird, indem das Pferd richtige „Fettpolster“ bekommt. Verschärft wird das ganze Geschehen zusätzlich durch ein bestimmtes Hormon, das Leptin. Dies hat eine appetitregulierende Wirkung. Bei den erkrankten Pferden wirkt das Leptin jedoch nicht mehr richtig, sodass ihnen nach der Futteraufnahme das Sättigungsgefühl fehlt, wodurch die Pferde noch mehr Futter aufnehmen und noch mehr Fettdepots gebildet werden.


Insulinresistenz

Das Fettgewebe ist jedoch viel mehr als lediglich ein Energiespeicher. So spielen die Fettzellen (Adipozyten) beispielsweise eine wichtige Rolle bei der Immunantwort, der Hämostase (Blutstillung), der Schilddrüsenfunktion oder bei der Blutdruckregulation.

Darüber hinaus werden hier eine Vielzahl an Hormonen und Stoffen freigesetzt, die entzündungsfördernd wirken oder dazu führen, dass die Zellen weniger gut auf das Insulin ansprechen. Insbesondere die Fettzellen im Bereich des Mähnenkamms (cresty neck) gelten als hormonell aktiv.

Insulin ist ein Hormon, das die Aufnahme von Zucker aus dem Blut in die Zellen reguliert. Sind die Zellen nicht mehr so empfänglich gegenüber dem Insulin, produziert der Körper immer mehr Insulin (Hyperinsulinämie), was jedoch nicht mehr gut wirkt. Diesen Zustand nennt man auch Insulinresistenz.
Darüber hinaus geht man davon aus, dass das insulinresistente Gewebe lipotoxisch wirkt. Das bedeutet, dass der Transport des Blutzuckers in die Zellen, der vom Insulin abhängig ist, nicht mehr richtig funktioniert. Dadurch verweilt die Glukose länger im Blut und wird vermehrt in den Fettzellen eingelagert, wodurch sich die Adipositas immer weiter verstärkt.

Gleichzeitig wird auch weniger Glukose in die Muskelzellen aufgenommen. Ein Muskelabbau sowie eine allgemeine Leistungsschwäche sind die Folgen.


Hufrehe

Pferde, die am Equinen Metabolischen Syndrom erkrankt sind, haben ein extrem hohes Risiko, eine Hufrehe zu entwickeln. An der Entstehung der Hufrehe sind mehrere Faktoren beteiligt. Es wird vermutet, dass die Hyperinsulinämie dabei eine Schlüsselrolle einnimmt.

Darüber hinaus spielen noch folgende Faktoren eine Rolle:
  • Durch die vermehrte Insulinausschüttung kommt es zu einer Verengung der Blutgefäße in den Hufen.
  • Die aus dem Fettgewebe freigesetzten entzündungsfördernden Hormone und Substanzen begünstigen die Hufrehe.


Symptome

Das auffälligste Symptom ist die regionale oder über den gesamten Körper verteilte Adipositas. Besonders ausgeprägt sind die Fettpolster im Bereich des Mähnenkamms, der Schulter, des Schweifansatzes und am Euter bzw. Präputium (Vorhaut).

Darüber hinaus können die Pferde folgende Symptome zeigen:
  • Muskelabbau
  • Leistungsschwäche
  • ständiger Hunger
  • häufiges Trinken, vermehrter Urinabsatz
  • Fruchtbarkeitsstörungen

Am problematischsten ist jedoch die Hufrehe. Eine Entzündung der Huflederhaut, die extrem schmerzhaft für das Pferd ist.

Pferde mit einer akuten Hufrehe zeigen folgende Symptome:
  • klammer Gang
  • Trachtenfußung und gleichzeitige Entlastung der Hufspitze
  • vermehrte Belastung des hinteren Hufanteils
  • Wendeschmerz
  • warme, druckempfindliche Hufe
  • eine pulsierende Mittelfußarterie

Darüber hinaus kann im Labor immer eine Insulinresistenz nachgewiesen werden.


Diagnostik

Besteht der Verdacht, dass das Pferd am Equinen Metabolischen Syndrom erkrankt ist, werden verschiedene Blutparameter bestimmt:
  • basaler Insulinwert (nüchtern!)
  • Glukosewert
  • Triglyceride

Sind die Ergebnisse der Blutuntersuchung nicht aussagekräftig, muss zusätzlich noch ein oraler Glukosetest (OGT) bzw. ein Oral Sugartest (OST) durchgeführt werden.


Behandlung

Die Behandlung des Equinen Metabolischen Syndroms basiert auf zwei Säulen:
  1. Fütterung
  2. Bewegung


Die Fütterung

Oberstes Ziel bei erkrankten Pferden ist die Gewichtsreduktion. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass das Pferd maximal 0,5-1% des Körpergewichts pro Woche abnimmt. Damit die Diät gelingt, sollte man bei seinem Pferd auf Kraftfutter, Brot, Äpfel, Möhren und auch auf Leckerli verzichten.

Die Heuration sollte langsam über mehrere Tage hinweg reduziert werden, sodass der Erhaltungsbedarf nicht überschritten wird. Das Heu sollte möglichst strukturreich und zuckerarm sein.

Ein Teil der Ration kann auch durch Stroh ersetzt werden. Um den Energiegehalt des Heus nochmals zu senken, kann das Heu gewässert werden (ca. 30 Minuten). Dadurch gelangt der lösliche Zucker ins Wasser und verbleibt dort.
Leider gehen durch das Wässern jedoch auch wichtige Mineralstoffe und Vitamine verloren, die entsprechend ergänzt werden müssen!

Das Heu sollte mehrmals täglich in kleinen Portionen in einem Heunetz gegeben werden. Dadurch wird die Futteraufnahme verlängert und das immense Hungergefühl wird etwas besänftigt.

Damit das Pferd ausreichend mit wichtigen Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen versorgt wird, ist eine Ergänzung des Futters mit hochwertigen Nährstoffen wichtig. Auch die Zufuhr wichtiger Proteine bzw. Aminosäuren ist empfehlenswert. Je nach Schwere der Erkrankung sollte das Pferd bis zum Erreichen des Idealgewichts keinen Weidegang erhalten.


Fütterungszusätze

Studien zeigen, dass Magnesium, kurzkettige Fruktooligosaccharide (scFOS), Chrom-Hefe und auch Zimtextrakt einen positiven Einfluss auf die Insulinsensitivität haben können, wodurch weniger Insulin benötigt wird, um den Blutzuckerspiegel zu senken.

Insbesondere Bierhefe ist reich an Proteinen, B-Vitaminen, Chrom und anderen wichtigen Nährstoffen und kann sehr gut ergänzend als Naturprodukt eingesetzt werden.


Bewegung

Neben der richtigen Fütterung ist eine ausreichende Bewegung essenziell (soweit mit der Hufrehe vereinbar). So konnte eine Studie nachweisen, dass es bereits bei einem leichten Bewegungsprogramm (insgesamt 5 Minuten Trab pro Tag für insgesamt 14 Tage) zu einem Abfall der entzündlichen Marker Serumamyloid A und Haptoglobin kam.

Aus diesem Grund wird derzeit empfohlen:
  • Betroffene Pferde ohne Hufrehe sollten ca. 30 Minuten mindestens 5 Tage die Woche leicht bis mittelschwer im Trab und Galopp gearbeitet werden.

  • Betroffene Pferde mit Hufrehe im stabilen Zustand sollten ungefähr 30 Minuten ca. 3 Tage die Woche leicht im Trab und Galopp auf weichem Untergrund gearbeitet werden.


Medikamente

Neben all diesen Maßnahmen können im Einzelfall auch verschiedene Medikamente eingesetzt werden. Ein Medikament, das jedoch ursächlich beim Equine Metabolische Syndrom eingesetzt werden kann, existiert leider bisher nicht.


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